Glück Auf um kurz vor zwei — der Blitz an der Jakobikirche
Share
Es ist der 1. August, halb zwei in der Nacht. Wach werde ich nicht vom Donner, sondern von Mia — meine Hündin stupst mich mit ihrer feuchten Nase. Draußen flackert der Himmel. Ein Gewitter zieht auf Freiberg zu.
Für die meisten ein Grund, sich nochmal umzudrehen. Für mich das Signal aufzustehen.
Denn seit einer Weile baue ich an einem kleinen Werkzeug — einer App, die mir aufs Handy meldet, wenn über Freiberg ein Gewitter aufzieht. Und nicht nur das: Sie zeigt mir, wo die Blitze gerade stehen, im Verhältnis zu unseren Altstadt-Türmen — Jakobi, Donat, Petri, Nikolai, der Dom. Zusammengebaut Stück für Stück, aus einer simplen Idee: Ich will nicht mehr raten, wo ich mich hinstellen muss. Ich will es wissen.

In dieser Nacht hat es sich zum ersten Mal richtig bewiesen.
Ich fahre hoch zur Alten Elisabeth, dem alten Huthaus überm Bergbaurevier, mit freiem Blick über die Freiberger Silhouette. Stativ raus, Kamera drauf, Blick aufs Handy: „Blitz bei 228 Grad — steht knapp links von der Jakobikirche.“

Und dann passiert es. 1:57 Uhr. Ein Blitz fährt vom Himmel — genau dort, wo die App es angesagt hatte. Links neben der schlanken Turmspitze der Jakobikirche. Ich drücke ab.

23 Kilometer war dieser Blitz entfernt — weit genug, um sicher zu stehen, nah genug, um ihn einzufangen. Es war eine wilde Nacht: das Gewitter zog von zwei Seiten heran, der Regen kam in Wellen, irgendwann bin ich sicherheitshalber ins Auto. Aber dieser eine Moment war jede durchwachte Minute wert.


Und genau das ist es, wofür das Bergstadtatelier steht: Handwerk und Technik, Geduld und Region — zusammengebracht, um einen flüchtigen Augenblick festzuhalten. Mitten im Erzgebirge, überm alten Bergbau.
Glück Auf. ⚒️